|
Ja, das ist so eine eigene Geschichte.
Die stark befestigte Stadt soll der Belagerung durch das Hussitenheer
standgehalten haben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Ereignisse immer ruhmreicher ausgeschmückt.
Mutige Bernauer übergossen in den so entstandenen Heldensagen die Angreifer mit heißem Brei und vollbrachten kühne Taten.
Im Henkerhaus-Museum hängt ein wuchtiges Gemälde.
Es zeigt die siegreich aus der Schlacht heimkehrenden Bernauer.
Noch heute wird die gewonnene Hussitenschlacht in Bernau als Fest gefeiert,
obwohl es sie gar nicht gab.
Dem Hussitenheer fehlte damals wohl die Zeit zum Angriff auf Bernau.
Erst galt es andere Städte zu überfallen,
später befanden sich die Hussiten bereits im Rückzug.
Bernau hatte wohl nicht nur starke Mauern, sondern ebensoviel Glück.
Im zweiten Weltkrieg blieb die Stadt von Bombardierungen verschont.
Die Stadtmauer und viele alte Gebäude sind bis heute erhalten.
Ein DDR-Modellvorhaben zur historischen Stadtsanierung durch Abriß
und Plattenneubau verhalf vielen Bernauern zu einer Wohnung mit einer dem Neuzeitmenschen
entsprechender Türhöhe und brachte den Sieg über das verhaßte Außenklo.
Gleichzeitig wurde durch dieses Großprojekt ein Stadtbild mit sonderbaren Kontrasten geschaffen.
Zur Meinungsbildung in Sachen Hussiten und DDR-Architektur
verhilft ein Stadtspaziergang besser als jede Beschreibung.
|